Sonntag, Juni 15, 2008

Keine Zeit

.. ist wohl der meistgebrauchte Satz, den man so hört und den man wohl auch selbst verwendet. Besonders in der Freizeit. Keine Zeit zum Fenster putzen, keine Zeit, die Freudin anzurufen, keine Zeit, mal bei den Nachbarn auf den längst versprochenen Kaffee vorbei zu schauen. Keine Zeit, das Auto von innen sauber zu machen und keine Zeit, das Fotoalbum endlich fertig zu stellen. Die Zeit rennt. Und das scheinbar schneller, als noch bei unseren Großeltern. Irgendwie schienen die doch entspannter (oder einfach härter im Nehmen?) und geordneter. Mit ausreichend Freiraum für die Familie und für Freunde. Also woran liegt's? Falsche Prioritäten? Oder einfach die Tendenz, alles mitnehmen zu wollen, auf allen Hochzeiten gleichzeitg tanzen zu wollen? Ist es das immense Angebot, die unzähligen Möglichkeiten, die uns einfach erschlagen und überfordern? Oder ist es wirklich nur das Unvermögen, sich zu strukturieren? Die Variante, dass wir schlichtweg nur Weicheier sind, möchte ich an dieser Stelle herzlich gerne ausschließen. Und die Frage, die sich an all das anschließt: Was tut man dagegen, bevor das Chaos einen verschlingt und man gar nicht mehr Herr der Lage ist?
Ich fürchte, mir fehlt gerade die Zeit, um ernsthaft eine Lösung dafür zu finden ;-)

4 Comments:

Anonymous G said...

Zu allererst wird heute einfach mehr gearbeitet als früher. 35 Std.-Woche, hohe arbeitslosigkeit und Geschirrspülmaschinen zum trotz. Es gab in Deutschland in der ganzen Geschichte noch nie so viele Beschäftigungsverhältnisse wie aktuell. Unsere Großväter haben vielleicht 10 Stunden 6 Tage die Woche gearbeitet, aber unsere Omas haben den Haushalt gemacht. Dieser war natürlich stressiger als heute - mehr Kinder, Wäsche waschen im Fluß etc. Diese "klassische" Rollenverteilung bzw. Arbeitsteilung gibt es heute jedoch immer weniger. Heute gehen beide arbeiten, teilen sich (ob zu gerechten teilen sei mal dahingestellt) die Hausarbeit und arbeiten womöglich noch zeitversetzt (Stichwort Gleitzeit), machen Überstunden und brauchen vielleicht sogar 50 km mit dem Auto zur Arbeitsstelle.
Naja - und wer viel arbeitet hat natürlich auch ein Anrecht darauf, es sich mal gut gehen zu lassen. Also möchte man seine Freizeit sinnvoll nutzen - wobei die 2 Stunden täglich Fernsehgucken im Bundesdurchschnitt natürlich nur bedingt sinnvoll ist ;) Ja, unsere Großeltern mußten schwer arbeiten - die Anzahl der Burnouts in meinem Bekanntenkreis lässt jedoch nicht darauf schließen, dass wir es viel leichter hätten.
Letzten Endes haben wir uns dieses Rattenrennen selber ausgesucht. Zum Glück gibt’s für die die jungen Leute jetzt das Abi nach 12 Jahren - da entstehen wenigstens keine frühkindlichen Illusionen… ;)

5:36 nachm.

 
Anonymous Yitu said...

Da schreibt man 1* das man keine Zeit hat... und schon hat Mimi auch keine Zeit ;)

11:14 vorm.

 
Anonymous Claudia said...

Nein, da kann ich mich nicht anschließen. Die Menschen mussten früher viel härter und länger arbeiten. Von den anstrengenden Schul- und Arbeitswegen gar nicht zu sprechen. Früher war alles, einfach alles viel anstrengender und Zeit hatte da niemand. Keine Zeit um in Urlaub zu fahren, keine Zeit für ein Hobby und meistens auch keine Zeit für die Kinder.
Heute ist das "Keine-Zeit-Haben" von einer anderen Qualität. Es besteht darin, dass wir eine riesige Auswahl an Möglichkeiten haben und es uns manchmal schwer fällt innerhalb dieser großen Auswahl die Prioritäten zu setzen.

11:56 vorm.

 
Blogger Mimi said...

@g: Rattenrennen ist wahrscheinlich treffend formuliert.
@ yitu: seufz.. stimmt, ich hab immer noch keinen neuen Termin ausgeschaut.. sorry.
@ claudia: ja, das denke ich eigentlich auch. Kurioserweise hat jetzt gerade auch jeder Zeit, die Fussball EM im Fernsehen zu schauen. DAFÜR scheint ja paradoxerweise Zeit zu sein. Scheint wirklich eine Frage des übermßigen Angebots und der Priorisierung zu sein oder?

10:43 nachm.

 

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